Sunny

 

Sunny

 

Frühling 2010

 

Das Frühjahr hat ja prima begonnen. 31. März ist der Schicksalstag. Ich muss zum Tierarzt, impfen habe ich mir gedacht, falsch gedacht, schlimmer, kaum möglich. Doch ist werde kastriert. Gott sei Dank bekomme ich nichts mit, ich schlafe und das ausgezeichnet. Mama holt mich am Nachmittag ab und ich werde extra verwöhnt. Ich habe gar nichts gespürt, aber das werde ich ihr nicht auf die Nase binden, dann ist am Ende mit Extrastreicheln Schluss. In zwei Tagen kommt der Osterhase und die Kastration soll mein Geschenk sein, na besten Dank, auf solche Geschenke kann ich verzichten.

 

Aber dafür ist der letzte Schnee verschwunden und es ist genau wie Evita gesagt hat, wärmer geworden.

 

 

Na das schöne Wetter nutze ich gleich mal, um die Sträucher auf Katzentauglichkeit zu prüfen.

 

     

 

Das sind Mamas violette Schneerosen, blöder Name, sind weder weiß noch kalt noch nass, und schmecken tun sie auch nicht.

 

 

Pfui! Sind die grauslich!

 

Ende April

 

Die Sträucher haben Blätter bekommen, die kann man übrigens auch nicht futtern, aber man kann sich prima dazwischen verstecken.

 

 

Schwarzweiß ist da nicht die richtige Tarnfarbe, aber wenn die Blätter mehr werden, klappt es auch mit dem Verstecken besser.

 

 

Gestern haben meine Eltern gegrillt. Na das hat vielleicht herrlich gerochen, kaum zum Aushalten.

 

 

Da habe ich schon die ganze Zeit unter dem Tisch gelauert, dass eventuell etwas für mich abfällt. Fisch liebe ich ja ganz besonders. Und es ist auch für mich ein ganzer Teller abgefallen. Den habe ich ganz alleine verputzt. Ich konnte mich kaum noch rühren, so dick war mein Baucherl geworden. Da habe ich mich gleich meinen Eltern angeschlossen und was gemacht, natürlich ein Schlaferl auf der Liege.

 

   

 

So eine Liege ist eine tolle Erfindung.

 

 Mit der Zeit ist es aber ganz schön warm in der Sonne, überhaupt die schwarzen Flecken werden richtig heiß. Außerdem muss man aufpassen, dass man keinen Sonnenbrand bekommt. Da gehe ich lieber hinein und schlafe auf meinem Raschelkissen weiter.

 

 

Also dann bis zum nächsten Mal. Dann gibt es wieder neue Bilder von mir.

Mama sagt, der nächste Sommer kommt bestimmt und vielleicht bekomme ich dann eine eigene Liege, das wäre schön. Am Besten mit Dach, damit ich nicht abbrenne.

 

 

Winter 2009/2010

 

Heute ist etwas Eigenartiges passiert, ich schaue hinaus und siehe da, alles ist weiß. Schnee, sagt Evita, ist das. Kalt und weich. Na dann nichts wie raus, sagen Billie Jean und ich.

    

 

Evita hatte Recht, ganz schön kalt und wenn man es auf die Pfoten bekommt, ist es nass. Brrr! Billie und ich nehmen den Schnee genau unter die Lupe, besser unter die Pfote. Sehr eigenartig!

 

 

Schnee kommt von oben und bleibt auf meinem Fell hängen. Auf dem schwarzen Teil meines Felles kann man den Schnee sogar sehen, auf den weißen nicht. Tarnfarbe, sagt Mama. Man kann sogar Spuren hinterlassen, Pfotenabdrücke von Billie und mir.

     

 

 Papa hat schon in der Früh den Schnee weggeschaufelt, sonst würden von mir ja nur mehr die Ohren rausschauen.

    

Schnee macht eindeutig Spaß, auf dem einen Bild kann man mich kaum mehr erkennen, so narrisch spiele ich im Schneegestöber.

 

Mama hat mich aber dann bald reingeholt, ich habe meine Knieschoner aufgeweicht und das hat sie nicht sehr lustig gefunden.

 

 

Aber ich habe mich zu Ylvie gekuschelt, das ist besser als der größte Ofen, warm und weich. Da muss ich aber ganz brav sein, denn mit Ylvie ist nicht immer gut Kirschen essen, da habe ich mir schon so manchen Satz heißer Ohren eingehandelt, wenn ihr versteht was ich meine.

 

 

Endlich sagt, Evita, der Schnee wird weniger, jetzt kommt bald der Frühling und es wird wieder schön warm. Evita ist schon ziemlich alt und sie freut sich immer, wenn es wieder Sommer wird, aber bis dahin dauert es noch lange.

 

Weihnachten 2009

 

Mein erstes Weihnachtsfest in Österreich begann mal gleich mit einem Riesenschreck. Stellt euch vor, meine Mama ist drei Tage vor Weihnachten einfach in der Küche umgefallen, dabei hat sie sich ganz toll den Kopf angeschlagen. Geblutet hat sie auch. Da sind dann zwei Männer mit einer Trage gekommen (Rettung heißt das, sagt Xeno) und haben sie ins Krankenhaus gebracht. Keine Ahnung was Krankenhaus ist, aber Evita, die weise, ältere Dame hat mit erklärt, dass ist so ähnlich wie Tierarzt, aber eben nur für Menschen. Papa ist auch mitgefahren, aber er ist dann alleine wieder gekommen, nach einer kleinen Ewigkeit. Mama muss ein paar Tage im Krankenhaus bleiben, aber Gott sei Dank kommt sie bald wieder nach Hause.

 

Inzwischen hat Papa einen Christbaum besorgt. Das ist ein toter Baum mit spitzen Stacheln aus dem Wald, sagt Evita, da kommen dann Kugeln drauf. Damit wir nichts kaputt machen, steht er auf einem kleinen Tisch. Jedes Jahr hat der Baum eine andere Farbe. Alle Jahre wieder veranstalten die Menschen so was. Da gibt es Kerzen und Geschenke und jede Menge gutes Essen. Und dann jammern wieder alle, dass sie zu dick seien. Da verstehe einer die Menschen, zuerst essen und dann jammern. Wir Katzen sind da ganz anders.

         

 

Billie Jean und Xeno sind gar nicht so neugierig, aber ich muss mir das ganz genau ansehen. Da unten ist nämlich Wasser für den Baum drinnen, der kann ja gar nicht trinken. Trotz genauester Inspektion habe ich noch keine Zunge gesehen. Aber morgen kommt Mama nach Hause und die macht aus dem Baum immer etwas Besonderes.

 

 

Endlich ist Mama wieder zu Hause. Sie hat eine komische Haube auf dem Kopf und riecht etwas eigen, aber eindeutig sie ist wieder da. Und so sieht der Baum nach Mamas Behandlung aus. Super, was???

Und das bin ich. Papa hebt mich hinauf, ich kann ja nicht klettern.

 So etwas muss man ganz genau anschauen und bepfoteln. Kugeln sind ganz glatt und die Kerzen haben auch komisch gerochen. Der Baum hat spitze Nadeln, dass ist grauslich, aber dafür duftet er nach Wald.

 

    

 

Mein Weihnachtsgeschenk ist eine ganz tolle Fellmaus, die teile ich mit keiner anderen Katze.

 

  

Da kann ich sogar richtig knurren, wenn jemand mir die Maus abjagen will. Die habe ich vom Christkind bekommen.

So habe ich mein erstes Weihnachtsfest verbracht und ich hoffe, dass es noch viele werden.

 

 

 

Wie alles begann....

 

Das bin ich. Nein, ich bin keine Ragdoll, ich bin ein bulgarischer Straßenkater mit Behinderung, sagt man nicht mehr, ich bin ein bulgarischer Straßenkater mit besonderen Bedürfnissen.

Und wie ich zu diesem wunderbaren Platz gekommen bin, möchte ich gerne erzählen.

 

 

  

geb. am 22.8.2009

 

 

Geboren wurde ich wahrscheinlich am 22.8.2009 im sonnigen Süden, genauer gesagt in Bulgarien in einer Stadt namens Dimitrovgrad irgendwo im Niemandsland. Ich kann mich auch nicht mehr an meine Eltern und Geschwister erinnern. Es war wie so oft im Süden, man war einfach auf sich gestellt. Genau dort im Niemandsland hat mich dann Svetlana Petrova gefunden. Da meine Hinterbeine irgendwie anders sind als bei den anderen Katzen, konnte ich nicht so schnell laufen und da hat Svetlana mich erwischt. Am Anfang war es ein großer Schreck, aber Svetlana ist eine ganz liebe Dame. Sie hat Freunde in Österreich, darunter auch die Tierärztin Martina Hayden, die im Sommer in Bulgarien war, um kostenlos herrenlose Katzen zu kastrieren. Svetlana hat sich mit Martina in Verbindung gesetzt und so wurde beschlossen, dass ich nach Österreich auswandern sollte.

Bevor es aber soweit war, musste ich noch eine richtige Prozedur über mich ergehen lassen. Anscheinend ist Flöhe haben etwas Schreckliches. Konnte ich mir gar nicht vorstellen, hat dort jeder. Also hinein ins Flohbad, Wasser brrr, einfach schrecklich. Geimpft und gechipt wurde ich auch. Und stellt euch vor, dort gab es regelmäßig Futter. Nach einigen Tagen war ich richtig froh über das Flohbad, das ständige Kratzen hatte ein Ende. Herrlich, kann ich euch sagen! Aber kaum hatte ich mich mit Svetlana angefreundet, wurde ich schon auf die Reise nach Österreich geschickt. Mit meinem Freund Ani, ein normaler Tigerkater mit dem ich mich bei Svetlana angefreundet habe und 23 Hunden ging es auch die Reise. 30 Stunden waren wir unterwegs, ewige Kontrollen und von den Hunden sind mich gleich wieder ein paar Flöhe angesprungen. Aber irgendwann sind wir dann doch angekommen.

 

Ani und ich wurden gleich wieder entfloht und von meinen Hinterbeinen wurde ein Röntgen gemacht. Da muss man ganz still liegen und dann kann man die Knochen sehen als ob man durchsichtig wäre. Frau Dr. Hayden und Herr Dr. Wagner haben dann gesehen, dass meine Sakralgelenke verkehrt zusammengewachsen sind. Das kann man auf gar keinen Fall operieren. Mir ist das egal, ich kenne es ja nicht anders. Ich kann eigentlich alles, außer springen und klettern. Aber das macht mir nichts aus. Ani und ich haben dann beim Tierarzt auf jemandem gewartet der uns auf nimmt. Aber mich wollte keiner haben, eine behinderte Katze, wer weiß, was das noch kostet oder wie lange sie leben wird.

Am 5.11. ein erster Interessent, eine Frau ist mit dem Kater Xenophanes zum Impfen in die Praxis gekommen. Sie hat Ani und mich gleich entdeckt. Frau Dr. Hayden hat mich dann heraus genommen und mich und meine Behinderung vorgestellt. Die Frau fand mich zwar sehr nett, aber sie ist wieder gegangen.

 

Am 10.11. ist sie aber wiedergekommen, mit einem Mann im Schlepptau. Ich wurde kurz besichtigt und schon verschwand ich in einem großen Transporter und los ging es in die neue Heimat.

 

Dort gibt es schon einige Katzen, lauter hübsche Ragdolls mit vielen Haaren und blauen Augen. Am Anfang konnten die mich gar nicht leiden und haben ganz schön geknurrt. Da habe ich mich gleich zu meinem Papa gekuschelt. Der ist groß und stark und hilft mir immer.

 

       

 

 Meine Mama hat mich abgewogen und gemeint, nur 800 g, dass muss sich ändern. In den ersten Tagen habe ich alle 5 Minuten die Futterschüssel kontrolliert, ob noch etwas zu fressen da ist. Selbstverständlich, immer etwas da, und wenn das Dosenfutter aus ist, na dann fresse ich halt in Gottes Namen wenn es unbedingt sein muss, Trockenfutter.

 

  

 

Auf den beiden Bildern sieht man genau, dass meine Beine irgendwie anders sind, aber das ist keine Problem für mich. Ich kann voll schnell rennen und dank meiner kräftigen Vorderpfoten schaffe ich es sogar auf das Sofa.

 

2 Wochen sind nun schon vergangen

 

Heute ist der 22.11. und ich bin genau 3 Monate alt. Inzwischen habe ich mich prima eingelegt und vertrage mich mit allen Katzen Xenophanes ist mein Katzenvater geworden, er putzt mich immer und ich darf mit seinem langen, buschigen Schwanz spielen. Billie Jean spielt auch mit mir, aber manchmal sind wir zwei ganz schön wild. Ylvie kann mich auch ganz gut leiden, nur mit der alte Dame Evita ist nicht gut Kirschen essen. Da mache ich immer einen großen Bogen, wenn sie auftaucht. Aber meine Mutter steht auf sie, dass ist mir unverständlich.

Die Futterschüsselkontrolle habe ich auch schon aufgegeben, nachdem immer etwas zu fressen da ist, kann ich mir das sparen. Ich habe auch schon 1010 g. Super gewachsen für die paar Tage.

 

  

 

Da liege ich in meinem Katzenbettchen und da habe ich ersucht, die rote Dose hinunter zu schubsen, damit ich richtig Platz habe.

 

Außerdem gibt es da etwas das Garten heißt. Die anderen Katzen benutzen das Türchen. Habe ich auch schon probiert, aber das geht sehr schwer auf, da muss ich gleich mal wieder die Futterschüssel aufsuchen, damit was wird aus mir.

 

  

 

 

 

Etwas ablenken mit der Maus, also das ist das Katzentürchen. Aber leider noch nicht für mich.

 

Aber gestern war es so schön, da haben meine Eltern mich mitgenommen in den Garten. Im November 20 Grad und Sonnenschein, da darf der kleine Sunny auch mal hinaus. Das war herrlich.

    

 

Billie Jean und ich haben gleich Verfolgungsjagd gespielt.

 

 

 

 

Aber dann hat sie mich ausgetrickst:

 

 

und plötzlich war sie verschwunden.

 

Na so was, wo ist sie denn hingekommen????

 

 

Welche ist nun meine Schokoladeseite?

 

    

 

Ein Geheimnis muss ich euch auch noch anvertrauen, mein Frauchen ist farbenblind. Das letzte Mal wie ich  versucht habe am Vorhang zu schaukeln, hat sie gemeint, ich treibe es zu bunt. Ganz falsch, ich bin nicht bunt, sondern schwarz-weiß und zwar Eindeutig!

 

12. Dezember 2009

 

Nun bin ich schon mehr als 1 Monat in meinem neuen Zuhause. Da gefällt es mir prima. Ich bin auch schon ordentlich gewachsen, mein Gewicht habe ich schon verdoppelt und wiege nun 1,6 kg.

Letzen Montag 7.12.2009 hatte ich einer Termin bei einer Frau Orthopädiemechanikerin und Bandagistin in Wien. Sie heißt Frau Mader. Meine Mutter hat sie im Internet gefunden. Ihr könnt mal bei ihr reinschauen unter www.wiener-rehazentrum.at . Eine Weltreise habe ich mit dem Auto machen müssen um dorthin zu kommen. Bei der Hinfahrt habe ich dauernd geraunzt und gesungen, ich habe mir gedacht, die schicken mich wieder zurück nach Bulgarien. Aber, nein, nur zur Frau Mader ging die Fahrt. Sie ist echt nett und hat sich meine Pfoten angeschaut und hat gemeint, kein Problem, da kann man sicherlich etwas machen. Sie hat dann aus einer grünen Platte ein Stückchen ausgeschnitten und dann an mein Bein gehalten, dann hat sie es mit einem Heißluftgerät warm gemacht und gebogen. Dann habe ich es wieder probiert, na besser als vorher. Aber ein biserl hart innen ist es schon. Dann hat sie für mein zweites Bein auch so ein Teil angepasst. Dann ist sie verschwunden und endlich ist sie mit meinen "Knieschonern" zurück gekommen. Sie sind nun innen gepolstert und außen klebt ein rutschfester Gummi drauf, mir Klettverschluss zum Befestigen.

 

 

So sieht es am Finger meiner Mutter aus!

 

 

Na bitte kein Vergleich, bei mir sieht es viel besser aus!

 

 

Das Material ist ganz leicht und ich kann super damit rennen!

 

 

In ein paar Wochen bekomme ich dann neue, weil bei dem Tempo mit dem ich wachse, sind die bald zu klein. Am Abend gibt sie meine Mutter immer runter, da brauche ich sie nicht, da schlafe ich und am Morgen kommen sie wieder rauf. Ich finde, dass sie mich super kleiden!

 

Am Donnerstag haben mein Papa und ich meine Mama im Büro besucht. Da haben mich alle Kollegen gestreichelt und geknuddelt. Das hat mir supergummigut gefallen, aber das geht nicht immer so, die müssen dort arbeiten. Sitzen vor Computern, schauen da rein und werkeln rum, telefonieren und alle Nase lang kommt wer vorbei und will was. Nach einer Stunde sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Gott sei Dank, eine Stunde Büro reicht mir für mein ganzes Katzenleben.

Daheim sind schon alle hektisch, Weihnachten ist angesagt. Was das schon wieder für eine Erfindung ist. Billie und ich haben null Ahnung und die anderen machen nur so komische Andeutungen. Evi meint, da schleppen sie einen Baum in die Wohnung und dann darf man gar nicht raufklettern. Xeno sagt, dass der dann noch geschmückt ist, mit Kugeln und solchen Sachen, damit darf man aber nicht spielen, sonst wird geschimpft. Ylvie glaubt überhaupt, dass das gefährlich ist, weil Kerzen drauf sind und angezündet werden. Außerdem sind Naschereien drauf, aber nicht für uns.

Na da lassen Billie und ich uns mal überraschen, was das wohl genau sein wird - Weihnachten???

Also bis bald!

 

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